Instagram ist nur noch voll von „höher – schneller – weiter“. Der eine macht 7 Langdistanzen an 7 aufeinander folgenden Tagen. Der andere macht 128 Langdistanzen hintereinander. Jeder läuft einen Backyard Ultra und die Easy-Run-Pace auf Instagram is ne 5:10er.

Und mittendrin bin ich.
Hab mal „professionell“ eine Randsportart gemacht und war deswegen 26 Jahre meines Lebens „der Sportler“ in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Dann hab ich aufgehört mit dem Sport, – – der eigentlich meine komplette Persönlichkeit war.
Aber wie kommt man aus diesem Loch?
Man war in der Bundesliga mit einer der Besten und das hat sich auch in den Nationalmannschaftseinsätzen für Deutschland gezeigt.

Und dann hört man auf – Ob es an der Zeit war, der Körper nicht mehr wollte oder ich selber einfach leer war und etwas Neues brauchte, weiß ich bis heute nicht.
Fakt ist jedoch: Ein Teil… DER Teil meiner Persönlichkeit war weg. Und jetzt?

Einer der Gründe, aus denen ich aufgehört habe, war wahrscheinlich auch eine ziemlich schlimme Knieverletzung, die mich 1 1/2 Jahre rausgeworfen hat und von der ich irgendwie nie wirklich – meinen Ansprüchen entsprechend – zurückgekommen bin.
Ich will dich jetzt nicht mit der kompletten Geschichte langweilen, aber einer meiner Trainer meinte zu mir:
Wenn du einen Triathlon (Volksdistanz) machst und dein Knie das aushält, dann kannst du auch wieder weitermachen mit Rollhockey.

Gesagt, getan — Zwei 70.3 Ironman-Wettkämpfe später sitze ich vor Instagram und frage mich noch immer:

Was jetzt?

Klar. Zwei Ironman Finishes sind mehr, als die meisten haben.
Aber mein Instagram hat das in der Hälfte der Zeit gemacht.
Mein Instagram macht ne Mitteldistanz zum Warm-up und was soll ich sagen:

Ich war es gewohnt, in dem, was ich mache, immer gut zu sein.

Und da ist es einfach im Kopf keine Leistung, wenn man bei einem 70.3 IM 1.234. wird von irgendwas über 2.200 Teilnehmern.

Ich kann das nicht. Ich MUSSTE immer gut sein. Ich hab mich an der 5:10er EASY-RUN-Pace aus dem fucking Internet gemessen und mich gefragt, warum ich so langsam bin.
Hab mir aber weiter eingeredet, dass ich Sportler bin.
Auch wenn ich schon lange nicht mehr fünfmal die Woche trainiert habe.
Klar, auch mein damaliges Trainingspensum war mehr als das der meisten, aber am Ende des Tages geb ich ja einen Fick auf „die Meisten“.

Nach vier Jahren Pause und dem Spruch im Hinterkopf, dass ich „nur wieder zwei Wochen trainieren müsste und dann könnte ich wieder oben mitspielen„, hab ich es tatsächlich noch mal versucht.

Oben… mitspielen… hat auch geklappt.
Aber nicht wie früher.
Nicht die Mannschaft, nicht der Sport und nicht die eigene Leistung… und aus diesem Grund kam mir eine gebrochene Hand sehr gelegen, – – als Ausrede, – – das Ganze wieder sein zu lassen.

Und was jetzt? Jetzt hab ich die CrossFit-Sache etwas „ernster“ genommen.
Aber ich hatte noch immer das falsche Mindset.

Ich war noch immer der SPORTLER. Ich wurde von anderen immer noch so gesehen und von zu vielen Leuten auch noch so vorgestellt. „Ja mach mal einen Team-Wettkampf mit dem Kay. Der war mal Bundesliga-Spieler (im Hockey…) der ist fit..!„

Ja…

WAR Bundesliga-Spieler und WAR MAL FIT.
Jetzt bin ich der Typ, der nur so semi-fit ist, weil er davon profitiert, dass sein „nicht mehr regelmäßig Trainieren“ noch immer fitter ist als FIT bei vielen anderen.

Aber ich bin nicht mehr fit.
Das hab ich auf die harte Weise gelernt.
Ich hab mehr als einmal gedacht: „Ich fang jetzt wieder an und mit zwei Wochen Fokus werd‘ ich besser als alle.“

(Ja, ich bin sehr arrogant, wenn es um Sport geht…)

Dann hab ich immer direkt „Projekte“ gestartet. Instagram-Seiten gemacht und wollte meinen Weg an die (welche auch immer) Spitze begleiten.

Star meiner eigenen Netflix-Serie, wenn du es so willst.
Is nie passiert. Immer falsch angefangen. Den falschen Fokus gesetzt. Zu große Fresse gehabt, weil… ich ja mal Sportler war.

Ich musste lernen – und hab jetzt gelernt, dass ich kein Sportler mehr bin.
Ich muss wieder einer werden.
ICH muss MICH wieder als Sportler sehen.
Aber dafür muss ich die Dinge anders angehen.

Slow and steady.

Einfach mal das Maul halten und Grundlagen aufbauen.
Ohne wirkliches (formuliertes) Ziel. Fitter werden, gesünder werden, Spaß haben und es richtig machen.
Ohne das Ganze wieder groß an die Glocke zu hängen, ne GoPro zu kaufen und nen neuen Instagram-Account zu machen.

…Sagte er, während er diese Zeilen hier schreibt und die ins Internet stellt… Spasti...

Aber was soll ich dir sagen…
So bin ich.

Ich muss Geschichten erzählen.
Einfach auch, um beim (Ausdauer-)Training was zu tun zu haben. Ein Projekt für den Kopf.

Und wo wir grade bei KOPF sind:
Dafür hab ich mir damals ALLMYWORRIES ausgedacht. Es sollte eine Klamottenmarke werden mit dem Fokus auf mentaler Gesundheit.
Klamotten sind immer gescheitert, weil ich gut darin bin, Ausreden zu finden.
Ich wollte nie Shirts machen, die nicht perfekte Qualität und Schnitte haben.
Ich wollte nicht klein anfangen und gucken, was man so machen kann und was wie aussehen könnte.
Ich wollte am liebsten mit meinem Konzept zu NIKE gehen und die sagen dann „Oh bitte, bitte arbeite mit uns zusammen! Deine Idee ist so einzigartig und toll WIR brauchen DICH!„

Siehst du, wo das mit der mentalen Sache herkommt?
Ich hab keine Ahnung, wie du es geschafft hast, diesen Text zu finden.
Ob es Zufall war, oder ob ich dir diesen Link geschickt habe, weil ich so getan habe, als bräuchte ich jemanden, der das Korrektur liest und Feedback gibt – alles nur als „Hilfeschrei“, damit jemand das hier sieht…

Fakt ist: Ich will das hier machen. Ich hab ein Konzept in meinem Kopf und eine Vision, wo es hin soll.
Aber warum alles planen.
Warum für den Marathon anmelden, bevor man die ersten 5k in „EASY-Pace“ gelaufen is (max. 7er, ihr Instagram-Pisser! Alles andere is doch nicht EASY, oder wen wollt ihr verarschen? Mark Dowdle?)?

Ich mach jetzt! …
Dann schreib ich darüber… Guck, wie mein Logo auf verschiedensten Shirts aussieht und wenn jemand dann die Shirts cool findet und mich anspricht, dann krieg ich bestimmt auch Sachen für andere hin.
Aber bis dahin (und noch lang danach) scheiß ich auf den Shop und mach das on demand, wo und wann und wie ich will.
Ich weiß ja, wie das is, wenn man sich anstrengt und nen Shop online stellt, damit Leute endlich die „coolen Klamotten wo kriegt man die her“ NICHT kaufen.

Ich mach, um zu machen. Ich geh in ner 7:30er oder langsamer laufen, um es mal richtig zu machen.
Vielleicht ist es ja dann doch nicht so kacke. Ich versuch mal (wieder) etwas weiter zu bringen als die Konzeption.

Darum ist es auch das Pinguin-Logo. Das ist seit Jahren mein Begleiter. Warum mir also was Neues ausdenken, wenn ich doch schon das perfekte Logo habe. ALLMYWORRIES are a waste of time und ich werd mal wieder welche verschwenden und gucken, wo mich das hinführt, wenn man einfach weiterläuft.

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